Mindfulness im Sport –
mein Grundverständnis von Mindfulness

Ein kleines Kind, sitzend auf dem Boden, völlig vertieft in seinem Spiel. Die Mutter, die daneben auf dem Sofa sitzt und ihr Kind ansprechen will, aber das Kind reagiert nicht auf seine Mutter, weil es seine Mutter in diesem Moment schlichtweg nicht wahrnimmt. Diese Situation ist allen Eltern vertraut. Und im Grunde genommen ist genau das, jene Form von Mindfulness (dt. Achtsamkeit), die ich meine. Dieser absolute Fokus im Hier und Jetzt, gänzlich im eigenen Tun aufzugehen, ohne das Tun oder die damit verbundenen Gedanken und Emotionen zu bewerten oder zu analysieren, es einfach der Freude oder Hingabe wegen zu tun.

Es geht somit um das Erlernen und Üben eines besonderen Bewusstseins für den gegenwärtigen Moment, bei dem du aufkommende Gedanken und Emotionen weder aufgreifst noch bewertest. Alle Gedanken und Emotionen, ganz gleich ob positiver oder negativer Natur, die in den Fokus deiner Aufmerksamkeit gelangen, werden schlichtweg akzeptiert, und zwar genau so, wie sie eben sind.

In der Regel wird alles von deinem Geist sofort etikettiert und den einzelnen Schubladen zugewiesen. Diese Gewohnheit limitiert dich auf automatisch ablaufende Reaktionsmuster. Wenn der Geist urteilt, geht es nicht darum, das zu verhindern. Es reicht schon, wenn dir bewusst wird, dass dies geschieht. Du bist als Athlet gefordert, die Rolle eines neutralen Beobachters einzunehmen und zu erkennen, wenn du auf Autopilot geschaltet bist.

Nur das Hier und Jetzt ist real. Die Vergangenheit ist vorüber, die Zukunft steht uns erst noch bevor. Und es gilt mit diesem Hier und Jetzt zurechtzukommen. Du kannst deinen Erfahrungen im Hier und Jetzt mit der Haltung des Bewertens oder mit der Haltung der Akzeptanz begegnen. Folgst du dem Bewerten, dann resultiert daraus in den meisten Fällen ein Vermeidungsverhalten oder ein Bestreben nach Anhaftung. Störenden Gedanken und Emotionen kannst du aber auch mit der inneren Haltung der Akzeptanz begegnen, statt mit einer Vermeidungsstrategie. Steven C. Hayes, der die Akzeptanz- und Commitmenttherpie (ACT) maßgeblich entwickelte, bringt gerade diesen Umgang mit negativen Gedanken und Emotionen ausgezeichnet auf den Punkt: „Wenn du es nicht haben willst, wirst du es erst recht haben.“

Ziel eines Mindfulness-Trainings ist nicht die Kontrolle deiner Gedanken und Emotionen. Steven C. Hayes und Kirk D. Strosahl beschreiben diesen nicht zu gewinnenden Kampf, die Kontrolle zu erlangen über die eigenen Gedanken und Emotionen. Sie meinen, dass gerade dieser innere Kampf nicht Teil der Lösung ist, sondern viel mehr Teil des Problems. Deine positiven Gedanken und Emotionen stellen ohnehin selten ein Problem dar. Es geht hier vor allem um deine Zweifel, Ängste und Sorgen, die du haben darfst. Bist du achtsam, dann bist du dir aller Gedanken und Emotionen bewusst und bist nicht auf Autopilot geschaltet. Du triffst somit deine Entscheidungen auf bewusster Ebene.

Das einzige, was in einem Mindfulness-Training reguliert wird, ist der Fokus deiner Aufmerksamkeit. Jeder Moment ist ein neues Hier und Jetzt, welchen es zu beobachten gilt. Nicht irgendwo hin zu gelangen, sondern dort zu sein, wo du bereits bist, das ist die Herausforderung. Somit ist Entspannung auch kein angestrebter Zielzustand, sondern vielmehr so etwas, was sich quasi wie nebenher einstellt, wenn man Mindfulness übt.

„We are so focused on strength
 that we forget to strengthen our focus.“

LeBron James

Everything is an inner game.


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