Mario Reiser Wortmarke

Mentaltraining im Handball

Sportarten

Die kurze Antwort: Handball lässt keine Zeit zum Grübeln. Ein verlorener Ball führt oft direkt zum Gegentor und die nächste Entscheidung steht schon an. Wer den letzten Fehler noch im Kopf hat, macht den nächsten. Mentaltraining im Handball zielt deshalb weniger auf Ruhe als auf Tempo beim Zurückkommen ab.

Auf dieser Seite findest du sechs Situationen, die im Handball den Kopf besonders fordern. Dazu kommt ein Praxisbeispiel aus der Arbeit mit einer ganzen Mannschaft.

Boris Zivkovic im roten Trikot beim Wurf gegen zwei Abwehrspieler, Schwarzweiß

Warum Handball mental besonders fordert

Jede Sportart hat ihre eigenen mentalen Herausforderungen. Im Golf ist es die Wartezeit zwischen den Schlägen. Im Ski Alpin die Endgültigkeit eines einzigen Laufs.

Im Handball ist es die Dichte. Du triffst in sechzig Minuten hunderte Entscheidungen, viele davon in Bruchteilen von Sekunden, fast alle unter Körperkontakt.

Und im Handball ist es die hohe Fehlerquote. Ein technischer Fehler, ein abgefangener Pass, ein verworfener Ball: Das passiert in jedem Spiel, auch auf höchstem Niveau. Der Unterschied liegt nicht darin, ob Fehler passieren, sondern wie lange sie im Kopf bleiben.

Und die Strafe folgt sofort. Anders als in anderen Sportarten mit Spielunterbrechung läuft nach einem Ballverlust der Gegenstoß, während du noch am Fehler hängst. Das ist der eigentliche Grund, warum Handballer vom Mentaltraining oft schneller profitieren als Athleten aus ruhigeren Sportarten.

Sechs Situationen, die den Kopf fordern

Der Siebenmeter

Sieben Meter, ein Torhüter, ein Wurf. Die Halle schaut zu und es gibt keine Ausrede.

Der häufigste Fehler ist, in diesem Moment zu entscheiden. Wer erst beim Anlauf überlegt, wohin er wirft, wirft langsamer und lesbarer.

Was hilft, ist eine feste Routine, die vor der Entscheidung liegt. Ball aufnehmen, ein Ausatmen, Blick auf den Punkt, dann werfen. Immer gleich, unabhängig vom Spielstand.

Den Ball, den du verloren hast

Die wichtigste Sekunde im Handball kommt nach dem Fehler, nicht davor. Während du noch überlegst, was schiefgelaufen ist, läuft der Gegenstoß.

Hier braucht es einen körperlichen Schlusspunkt, der schnell ist. Ein kurzes Ausatmen beim Zurücklaufen genügt und ist im Spiel unauffällig. Wie das im Detail funktioniert steht unter Angst vor Fehlern überwinden.

Zwei Minuten Unterzahl

Eine Zeitstrafe verändert die Aufgabe für alle auf dem Feld und zwar sofort. Aus Angriff wird Verwalten, aus Tempo wird Disziplin.

Der mentale Teil daran wird selten besprochen. Der Bestrafte sitzt zwei Minuten draußen und schaut zu, wie seine Mannschaft nun die Folgen zu tragen hat. Dieser Platz auf der Bank ist einer der unangenehmsten im Sport.

Was dort hilft, ist eine vorher vereinbarte Aufgabe für diese zwei Minuten. Etwa die Deckung von außen zu beobachten und beim Zurückkommen eine konkrete Beobachtung mitzubringen.

Die Position im Tor

Der Torhüter hat die herausforderndste mentale Aufgabe im Handball. Zwanzig oder mehr Gegentore sind ein normales Spiel. Ein gehaltener Ball ist ein Ereignis.

Es gilt immer wieder aufs Neue, den Fokus in das Hier und Jetzt zu bringen. War die Stellung richtig? War der Absprung früh genug? War die Hand dort, wo sie hingehört? Das sind Fragen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen sollten und die dich immer wieder in das Hier und Jetzt führen.

Rein und raus im fliegenden Wechsel

Du sitzt, schaust zu, kühlst aus. Sekunden später bist du im Spiel und sollst sofort im Tempo sein.

Körperlich lässt sich das durch Aufwärmen an der Bank abfedern. Mental hilft ein fester Ablauf für die letzten Sekunden vor dem Einwechseln. Den Blick auf das Spielgeschehen richten statt auf die Anzeigetafel. Einmal tief ausatmen. Die eigene erste Aufgabe benennen.

Wer vom Sitzen direkt ins Spiel springt, braucht oft zwei Angriffe, um anzukommen. Diese zwei Angriffe entscheiden manchmal die Partie.

Das Tempo selbst

Handball verlangt mehr Entscheidungen pro Minute als die meisten Sportarten. Passen oder ziehen, werfen oder abspielen, stören oder abwarten.

Unter Druck wird genau das langsamer. Der Kopf schaltet sich ein und will kontrollieren, was eigentlich automatisch ablaufen sollte. Das Ergebnis ist der Spieler, der im Training frei aufspielt und im Spiel zögert.

Handballer im Sprungwurf vor dem Torhüter, Schwarzweiß

Praxisbeispiel: Mindfulness-Workshop beim Handballclub Hard

Der ALPLA HC Hard ist einer der erfolgreichsten Handballvereine Österreichs und spielt in Vorarlberg, wenige Kilometer von meinem Standort in Lauterach entfernt.

Dort habe ich einen Mindfulness-Workshop mit der Mannschaft durchgeführt. Die Vorarlberger Nachrichten haben darüber berichtet.

Ein Workshop mit einer Mannschaft läuft anders ab als eine Einzelbetreuung und der Unterschied beginnt vor dem ersten Satz.

  1. Nicht alle wollen da sein. In einer Einzelbetreuung sitzt jemand vor dir, der sich dafür entschieden hat. In einer Mannschaft sitzen fünfzehn Leute. Vielleicht fünf interessieren sich dafür, fünf sind neugierig und fünf würden lieber trainieren. Wer das ignoriert, verliert die Gruppe in der ersten Viertelstunde.

  2. Deshalb steht am Anfang keine Übung, sondern eine Einordnung. Woher kommt Mindfulness, was hat das mit Leistung zu tun, und was ausdrücklich nicht. Der Esoterik-Verdacht ist in einer Handballkabine real und wird besser sofort angesprochen als hinterher ausgeräumt.

  3. Danach kommt etwas, das sofort funktioniert. Eine kurze Übung, die im Raum spürbar wirkt, überzeugt mehr als jede Erklärung. Genau das hat Frédéric Wüstner an der Zusammenarbeit hervorgehoben. Er ist ehemaliger Handballer beim ALPLA HC Hard und schätzt Werkzeuge, die sich unmittelbar anwenden lassen.

  4. Zum Schluss geht es um die Übertragung ins Training. Ein Workshop verändert nichts, wenn er ein Termin bleibt. Was zählt, ist die Frage, welche zwei Minuten im normalen Trainingsablauf dafür freigeräumt werden.

Die Vorarlberger Nachrichten haben zweimal darüber berichtet: Momente entscheiden vom 17. April 2023 und Das Treffen der Giganten vom 2. Juni 2021. Alle weiteren Beiträge stehen auf der Presseseite.

Was im Team anders läuft als im Einzelsport

Drei Dinge unterscheiden die Arbeit mit einer Mannschaft grundsätzlich.

Die Gruppe entscheidet über den Ton. Einzelne Spieler öffnen sich in der Runde nicht so wie unter vier Augen und das ist kein Defizit. Deshalb bleiben persönliche Themen im Einzelgespräch und im Workshop geht es um das, was alle betrifft.

Der Trainer ist Teil der Sache, nicht Zuschauer. Wenn die Mannschaft übt und der Trainer daneben steht und wartet, ist das Thema erledigt, bevor es begonnen hat. Was ein Trainer dabei konkret tun kann, steht beim Mentaltraining für Trainer und Teams.

Der Nutzen zeigt sich zuerst in der Kommunikation. Bevor sich Ergebnisse ändern, ändert sich meist der Umgang nach Fehlern. Wer nach einem Ballverlust nicht mehr sofort die Schuldfrage stellt, hat schon etwas gewonnen.

Mit wem ich im Handballsport arbeite

Auf meiner Referenzliste stehen Handballerinnen und Handballer aus Nationalmannschaft und Bundesliga, dazu Vereine aus Vorarlberg.

Boris Zivkovic, österreichischer Nationalspieler, und Frédéric Wüstner, ehemaliger Handballer beim ALPLA HC Hard, haben die Zusammenarbeit öffentlich beschrieben. Was sie im Wortlaut sagen, steht auf der Seite Referenzen.

Häufige Fragen

Was bringt Mentaltraining im Handball konkret?

Am deutlichsten wirkt es auf die Zeit nach einem Fehler. Handball bestraft Ballverluste sofort mit dem Gegenstoß. Wer gedanklich noch am letzten Ball hängt, trifft die nächste Entscheidung zu spät. Bei Standardsituationen wie dem Siebenmeter hilft eine feste Routine messbar. Ergebnisse zeigen sich meist zuerst im Umgang der Mannschaft mit Fehlern, nicht in der Tabelle.

Arbeitest du mit ganzen Mannschaften oder nur mit einzelnen Spielern?

Beides. Mit Mannschaften arbeite ich in Workshops. Sie sind auf das ausgerichtet, was alle betrifft: Umgang mit Fehlern, Aufmerksamkeit unter Tempo, Kommunikation in Drucksituationen. Persönliche Themen gehören ins Einzelgespräch und bleiben dort. Eine Kombination aus beidem funktioniert erfahrungsgemäß am besten.

Wie kann man eine mentale Blockade im Handball lösen?

Zuerst schauen, wann sie auftritt. Eine Blockade beim Siebenmeter hat andere Ursachen als eine, die sich über eine ganze Saison aufbaut. Bei punktuellen Blockaden hilft eine Routine, die vor der Entscheidung liegt. Baut sich die Blockade über Wochen auf, steckt meist Erwartungsdruck dahinter. Dann ist die Quelle das Thema, nicht die Situation.

Muss ein Mentaltrainer selbst Handball gespielt haben?

Es hilft beim Zugang und ist keine Voraussetzung. Die mentalen Aufgaben ähneln sich über die Sportarten hinweg, der Siebenmeter entspricht dem Elfmeter und dem Start im Skirennen. Wichtiger als die eigene Karriere ist, ob jemand die Abläufe der Sportart kennt und die Sprache der Kabine trifft.

Ab welchem Alter ist Mentaltraining sinnvoll?

Ab etwa zwölf Jahren und im Nachwuchs wirkt es oft am stärksten. In diesem Alter entstehen die Muster, die später schwer zu ändern sind. Etwa der Umgang mit Fehlern oder die Reaktion auf einen lauten Trainer. Für ganze Nachwuchsmannschaften eignen sich kurze Einheiten im Training besser als ein langer Workshop.

Mario Reiser lacht mit gesenktem Blick, Schwarzweiß-Portrait vor Schwarz

Für Vereine und Spieler

Ob einzelner Spieler oder ganze Mannschaft: Der erste Schritt ist ein Gespräch darüber, woran es gerade hakt.

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, ob ein Workshop oder eine Einzelbetreuung passt. Du erreichst mich unter +43 650 2634822.

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