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Mentaltraining im Reitsport

Sportarten

Die kurze Antwort: Reiten unterscheidet sich von jeder anderen Sportart durch einen zweiten Beteiligten, der deine Anspannung sofort spürt. Dein Pferd liest deinen Körper, nicht deine Absicht. Deshalb wirkt Mentaltraining hier doppelt: Es beruhigt dich und über dich beruhigt es dein Pferd.

Auf dieser Seite findest du, was das konkret bedeutet. Dazu, wie du nach einem Sturz zurückfindest und was auf dem Abreiteplatz hilft.

Reiterin im Gegenlicht galoppiert durchs flache Wasser, Schwarzweiß

Der zweite Beteiligte

In den meisten Sportarten trägst du deine Nervosität mit dir herum und niemand merkt es. Im Reitsport merkt es jemand sofort.

Pferde sind Fluchttiere und darauf spezialisiert, Veränderungen in ihrer Umgebung früh wahrzunehmen. Dazu gehört der Mensch auf ihrem Rücken. Eine veränderte Atmung, ein fester Griff an den Zügeln, ein steifer Sitz: Das sind für ein Pferd Informationen, nicht Zufälle.

Daraus entsteht ein Kreislauf, den jeder Reiter kennt. Du bist angespannt, dein Pferd wird unruhig, seine Unruhe bestätigt deine Anspannung. Innerhalb von Minuten habt ihr euch gegenseitig hochgeschaukelt.

Dieser Kreislauf ist die eigentliche mentale Aufgabe im Reitsport. Nicht die Nervosität selbst, sondern ihre Verstärkung durch ein Lebewesen, das sie zurückspiegelt.

Die gute Nachricht ist die Kehrseite davon. Wer seine eigene Anspannung herunterfährt, wirkt unmittelbar auf das Pferd. Es gibt kaum eine andere Sportart, in der mentale Arbeit so schnell sichtbar wird.

Was diese Seite nicht behandelt

Ein Teil der Suchenden landet hier mit einer anderen Frage: Wie stärke oder beschäftige ich mein Pferd mental?

Das ist ein eigenes Thema und gehört zur Ausbildung des Pferdes. Damit arbeite ich nicht. Meine Arbeit setzt beim Menschen an, also bei dir. Was sich dadurch beim Pferd verändert, ist ein Nebeneffekt und zwar ein starker.

Die Situationen, in denen es eng wird

Nach einem Sturz

Der häufigste Grund, warum Reiterinnen und Reiter mentale Unterstützung suchen. Ein Sturz ist körperlich meist schnell überstanden, im Kopf bleibt er länger.

Typisch ist nicht die große Angst, sondern eine kleine Zurückhaltung. Du sitzt etwas fester, gibst etwas weniger nach, reagierst einen Tick zu früh. Dein Pferd bemerkt genau diese Veränderung und die Unsicherheit verstärkt sich.

Was hier hilft, ist kein Zusprechen, sondern eine Stufenfolge. Zurück in die Situation, aber in kleinen, überschaubaren Schritten, bei denen jeder einzelne gelingt. Der Fehler, den fast alle machen, ist der zu große Schritt zu früh. Mehr zum Umgang mit dieser Art von Angst steht unter Angst vor Fehlern überwinden.

Auf dem Abreiteplatz

Enge, fremde Pferde, Zeitdruck, Zuschauer. Der Abreiteplatz ist für viele der stressigste Ort des Turniertages und das überträgt sich.

Was hilft, ist eine feste Reihenfolge, die du immer gleich durchziehst, unabhängig davon, wie voll es ist. Nicht weil die Reihenfolge magisch wäre, sondern weil sie deine Aufmerksamkeit bindet. Wer einen Ablauf hat, schaut weniger auf die anderen.

Kurz vor dem Start

Die Minuten unmittelbar vor dem Einritt sind besonders wichtig. Hier entscheidet sich, ob du deine Prüfung reitest oder sie über dich ergehen lässt.

Der wirksamste Punkt ist die Ausatmung. Sie ist das einzige Signal, das dein Pferd unmittelbar wahrnimmt und das du bewusst steuern kannst. Wie das genau funktioniert steht unter Lampenfieber im Sport.

Wenn eine Lektion nicht klappt

Im Training wiederholst du, im Viereck hast du einen Versuch. Wenn eine Lektion misslingt, läuft der Rest der Aufgabe trotzdem weiter.

Hier gilt dieselbe Regel wie im Mannschaftssport: Der Fehler ist vorbei, die nächste Ecke kommt. Wer die misslungene Lektion noch drei Hufschläge lang mit sich trägt, verliert auch die nächste.

Drei Disziplinen, drei Aufgaben

Die Grundlagen sind überall gleich, die Hauptaufgabe unterscheidet sich.

Reiterin im Turnierdress auf ihrem Pferd, im Hintergrund weitere Reiter, Schwarzweiß

Dressur. Hier zählt Feinheit unter Beobachtung. Die Hilfen sollen unsichtbar bleiben und genau das gelingt unter Anspannung zuerst nicht mehr. Wer verkrampft, wird grob, ohne es zu merken. Die mentale Arbeit zielt deshalb auf Lockerheit im Arm und einen ruhigen Grundrhythmus. Nicht auf Konzentration im Sinne von Anstrengung.

Warum Zutrauen hier anders funktioniert

In vielen Sportarten lautet der Rat, an sich zu glauben. Im Reitsport ist das zu wenig, weil dein Vertrauen zwei Adressaten hat.

Du brauchst Zutrauen zu dir selbst und Zutrauen zu diesem konkreten Pferd an diesem konkreten Tag. Das Zweite lässt sich nicht herbeireden, es entsteht aus Erfahrung miteinander.

Deshalb arbeite ich im Reitsport ungern mit Sätzen wie "Ich schaffe das". Wirksamer sind Anweisungen an dich selbst, die dein Pferd spürbar entlasten: tiefer atmen, Schultern lösen, die Hand weicher führen. Das sind Handlungen, keine Behauptungen.

Wie du solche Sätze richtig formulierst, steht unter Ziele im Sport setzen.

Ich bin kein Reiter

Ich bin kein Reiter, habe aber trotzdem schon mehrfach mit Reiterinnen und Reitern zusammenarbeiten dürfen.

Was ich mitbringe, ist die Arbeit mit Athletinnen und Athleten vom Nachwuchs bis in den Weltcup, quer durch Winter-, Ball- und Ausdauersportarten. Die Werkzeuge sind dieselben, die Anwendung unterscheidet sich.

Ein Beispiel dafür. Eine Skirennläuferin im Starthaus und eine Reiterin vor dem Einritt lösen dieselbe Aufgabe. Anspannung so weit herunterfahren, dass Feingefühl möglich bleibt. Im Skisport merkt es niemand, wenn es nicht gelingt. Im Reitsport merkt es das Pferd.

Wenn du wissen willst, mit wem ich arbeite, steht das auf der Seite Referenzen.

Häufige Fragen

Was bringt Mentaltraining beim Reiten?

Vor allem die Unterbrechung eines Kreislaufs. Dein Pferd spürt deine Anspannung, reagiert darauf und seine Reaktion verstärkt deine Anspannung. Wer lernt, den eigenen Zustand zu steuern, greift genau dort ein. Zusätzlich hilft es bei Turnierstress, nach Stürzen und bei der Frage, wie man nach einer misslungenen Lektion weiterreitet.

Spürt mein Pferd wirklich, wenn ich nervös bin?

Ja, und zwar schneller als du selbst. Pferde sind Fluchttiere und nehmen kleinste Veränderungen wahr: eine flachere Atmung, einen festeren Zügel, einen steifen Sitz. Sie lesen deinen Körper, nicht deine Absicht. Deshalb wirkt bewusstes Ausatmen und eine weichere Hand auch dann, wenn du dich innerlich noch nicht ruhig fühlst.

Wie komme ich nach einem Sturz zurück?

In Stufen, die klein genug sind, dass jede einzelne gelingt. Der häufigste Fehler ist der zu große Schritt zu früh. Etwa gleich wieder an die Stelle zu gehen, an der es passiert ist. Wichtig ist außerdem, die Zurückhaltung ernst zu nehmen, statt sie wegzureden. Sie ist eine sinnvolle Reaktion und verschwindet, wenn neue Erfahrungen dazukommen.

Trainierst du auch das Pferd?

Nein. Die mentale Ausbildung des Pferdes ist ein eigenes Feld und gehört zur reiterlichen Ausbildung. Meine Arbeit setzt beim Menschen an. Was sich dadurch beim Pferd verändert, ist ein Nebeneffekt und zwar ein deutlicher, weil das Pferd auf deinen Zustand reagiert.

Funktioniert das auch ohne Turnierambitionen?

Ja. Viele Anfragen aus dem Reitsport haben mit Turnieren gar nichts zu tun. Es geht um Unsicherheit im Gelände, nach einem Sturz oder bei einem neuen Pferd. Die Werkzeuge sind dieselben, nur das Ziel ist ein anderes.

Mario Reiser lacht mit gesenktem Blick, Schwarzweiß-Portrait vor Schwarz

Wenn du ruhiger im Sattel sitzen willst

Ob Turnier, Gelände oder ein Pferd, bei dem es gerade schwierig ist: Der erste Schritt ist ein Gespräch darüber, was genau passiert.

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns deine Situation an. Wie das Training aufgebaut ist, steht beim mentalen Training für den Sport, passende Formate bei den Mentaltraining-Übungen. Du erreichst mich unter +43 650 2634822.

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